Reizdarm – da ist mehr dran!

Neben Stress, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder einer Störung der Darmflora werden seit einigen Monaten nun auch genetische Faktoren als Reizdarmauslöser für möglich gehalten.
Eine wichtige Rolle könnte das Enzym Sucrase-Isomaltase spielen. Es wird in den Mikrovillis der Darmschleimhaut produziert und ist für den Abbau von Mehrfachzuckern zuständig. Ein genetischer Mangel führt dazu, dass Kohlenhydrate vergärt werden, als Dankeschön hinterlässt dieser Prozess Gase, die zu Bauchschmerzen, Krämpfen, Durchfall und Erbrechen führen. Die Symptome gleichen denen des Reizdarmsyndroms vom Durchfall-Typ.

RDS
Die schwache Sucrase-Isomaltase-Leistung untersuchte ein
internationales Forscherteam in Stockholm. Neben dem besagten Enzymmangel fand man auch Reizdarmpatienten mit einem Mangel an bestimmten Darmbakterien (Parabacteroides), was auch auf die gewichtige Rolle der Darmflora bei Reizdarm hinweist.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Reizdarmsyndrom doch nicht als nur „funktionell“ eingestuft werden kann und erklärt außerdem, warum es bei einigen Patienten die FODMAP-Diät zu einer Linderung der Beschwerden kommt.
Darum wird in der Basisernährung im ersten Schritt des RDS-Bausatzes in der Diätpraxis besonderer Wert auf die Wahl und die Menge der eingesetzten Kohlenhydrate gesetzt. Schritt für Schritt werden die einzelnen Beschwerdeauslöser abgeklopft und Toleranzen langsam wieder gesteigert, sodass nicht nur ein beschwerdearme sondern auch ein große Lebensmittelauswahl schon bald wieder zur Verfügung steht.

Diagnose Reizdarm

Wenn diese Diagnose gestellt wird, ist Essen oder der Zustand danach oft eine Qual. Ein Reizdarm ist eine Störung der Darmfunktion, die länger als drei Monate andauert und immer wiederkehrt. Die Krankheit ist nicht gefährlich, doch die Symptome sind so massiv, dass sie sich auch auf das Soziale – und Berufsleben der Betroffenen auswirken können.

RDS
RDS

Schwierige Situation: Denn konventionelle Untersuchungen stellen kein organisches Leiden fest, die Darmtätigkeit spielt aber dennoch verrückt.
Erst in jüngster Zeit beschäftigen sich mehr und mehr Fachleute mit dem Reizdarmsyndrom. Der Durchbruch kam 1988, als die sogenannten Rom II-Kriterien aufgestellt wurden, die RDS definieren. Das Hauptmerkmal sind demnach Schmerzen im Bauchraum oder das Gefühl des Unwohlseins über mindestens 12 Wochen sowie Erleichterung beim Stuhlgang und Veränderung der Stuhlfrequenz oder -konsistenz.
Das Nervensystem des Magen-Darmtraktes steht mit dem Gehirn in direkter Verbindung. Geht es uns psychisch schlecht, etwa durch Stress, bekommt das auch der Darmtrakt zu spüren und reagiert dementsprechend. Bei Reizdarm – Patienten sind die Nerven in der Darmwand viel empfindlicher als bei gesunden Menschen und stören so die Darmtätigkeit. Durchfall oder Verstopfung ist die Folge. Freuen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.
Ein Reizdarm ist aber keinesfalls eine rein psychosomatische Erkrankung. Voraussetzung ist immer eine Funktionsstörung des Darmes, die durch besondere psychische Belastungen ausgelöst bzw. verstärkt werden kann.
Individuell:
Jeder Reizdarm-Patient braucht eine auf ihn zugeschnittene Behandlung. Der gekonnte Umgang mit Stress – Entspannungstechniken sind sehr erfolgreich. Auch die Umstellung der Ernährung in Verbindung mit Tests auf Lebensmittelunverträglichkeiten wie etwa eine Fruktose- oder Laktoseintoleranz sind wichtig.
RDS – Hauptsymptome:
Schmerzen im Bauchraum (Abdomen) oder Gefühl des abdominellen Unwohlseins über mindestens 12 Wochen im Jahr begleitet von zwei der folgenden drei Kriterien:
• Erleichterung beim Stuhlgang und/oder
• Beschwerdebeginn begleitet von Veränderungen der Stuhlfrequenz und/oder
• Stuhlkonsistenz.
Mögliche zusätzliche Symptome:
• Weniger als 3x Stuhlgang pro Woche
• Mehr als 3x Stuhlgang pro Tag
• Stuhl hart oder klumpig
• Stuhl lose oder wässrig
• Pressen beim Stuhlgang
• Stuhldrang
• Gefühl der unvollständigen Entleerung nach dem Stuhlgang
• Schleimausscheidung beim Stuhlgang
• Aufgetriebener Bauch, Blähungen
aufschreiben
Führen Sie ein Beschwerdeprotokoll: Was essen Sie, wann und wann haben Sie welche Beschwerden und wann haben Sie Stuhl und wie sieht dieser aus? Solche Aufzeichnungen helfen enorm, um dann eine gezielte Ernährungstherapie für Sie zusammenzustellen.

Bauchweh? FODMAP-Diät!

Bauchschmerzen
…zählen schon im Kindesalter zu den häufigsten Unwohlsymptomen. Gott sei Dank gibt es die FODMAP-Diät!
FODMAP-DiätWas ist FODMAP? FODMAP ist ein Akronym, zusammengesetzt aus dem Englischen „fermentable oligo-, di- and monosaccharides and polyols“. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von speziellen Kohlenhydraten und mehrwertigen Alkoholen, die in vielen Nahrungsmitteln vorkommen und vom Dünndarm nur schlecht aufgenommen werden.

F wie fermentierbar: Fermentierbare Kohlenhydrate werden von Darmbakterien fermentiert und nicht durch Enzyme zersetzt. Das ist in der Regel nicht problematisch, denn dies hilft unseren Darmbakterien. In einigen Fällen kann es jedoch zu viel des Guten sein und durch die entstehenden Gase kommt es zu Blähungen und Reizungen sowie mangelnde Verdauung.
O wie Oligosaccharide: Dies sind kurzkettige Kohlenhydrate wie Fruktane (darunter Inulin, u.a. in Pastinaken oder Topinambur) und Galactane (u.a. in Kartoffeln, Knoblauch).
D wie Disaccharide: Zweifachzucker wie Lactose (Milchzucker).
M wie Monosaccharide: Einzelne Zuckermoleküle, in diesem Fall besonders Fructose.
A wie ? Der Vokal hilft einfach nur, den Namen auszusprechen.
P wie Polyole: Polyalkohole sind mehrwertige Alkohole, darunter auch die als Zuckeralkohole bekannten Isomalt, Sorbit, Xylit und Erythrit. Diese werden oft mit Durchfall in Verbindung gebracht.

Warum können FODMAPs Bauchweh machen? Im Normalfall findet die Kohlenhydratverdauung im Dünndarm statt. FODMAPs werden nur schlecht aufgenommen und können so in den Dickdarm gelangen, wo sich die Darmbakterien darüber hermachen. Sie fermentieren die Kohlenhydrate. Dabei entstehen Gase. Also Blähungen. Zudem kommt es durch die Zucker zu einem osmotischen Effekt, was zu verstärkter Flüssigkeitsansammlung und in der Folge zu Durchfall führen kann. Fermentation und Osmose sind eine häufige Ursache für Symptome von Darm- und Verdauungsproblemen wie Reizdarmsyndrom (RDS bzw. IBS) oder Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO).
FODMAPs sind nicht die Ursache dieser Krankheiten; sie verschlimmern jedoch deren Symptome. Umgekehrt kann eine Dünndarmfehlbesiedlung zur Entwicklung eines Reizdarmsyndroms führen, welches dann eine FODMAP-Intoleranz verursacht.

Die Lösung: Mit der FODMAP-Diät jene FODMAP-Bauchwehverursacher finden. Nach einer 2 wöchigen FODMAP-armen Ernährung kommt die individuelle Testphase.

Für wen ist die FODMAP-Diät zu empfehlen?
• Verdauungsprobleme
• Reizdarm
• Dünndarmfehlbesiedlung
Jeder mit unerklärlichen Verdauungsproblemen profitiert davon. Blähungen und Durchfall wie sie von FODMAPs verursacht werden können, sind allein schon unangenehm. Die daraus resultierenden Reizungen sind ein weiterer Grund, eine FODMAP-arme Diät auszuprobieren. Jeder mit psychologischen Problemen, Stress und Depressionen Darm und Gehirn sind eng miteinander verbunden. Stress ist bekannt als Ursache für Reizdarmsyndrom und umgekehrt können Probleme im Darmbereich sich auch auf die Psyche niederschlagen.

Eine FODMAP-arme Diät kann häufig unerklärliche Darmprobleme lindern, bei denen beispielsweise Zöliakie oder Colitis Ulcerosa ausgeschlossen wurden. Jeder mit Reizdarmsyndrom (RDS) FODMAPs verschlimmern die Symptome des Reizdarmsyndroms. Eine FODMAP-arme Ernährung hat sich in Studien als erheblich effektiver in der RDS-Behandlung gezeigt als die herkömmliche Ernährungsempfehlung bei dieser Krankheit. Jeder mit Dünndarmfehlbesiedlung Im Dünndarm wohnen normalerweise relativ wenige Bakterien. Bei einer Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO, small intestine bacteria overgrowth) enthält der Dünndarm viel zu viele Bakterien und diese stören die Verdauung und Nährstoffabsorption. SIBO-Patienten leiden oft unter Lactasemangel (dem nötigen Enzym zur Lactoseverdauung) und auch Sorbitol- und Fructosemalabsorption. Und Überraschung: alle drei sind FODMAPs.

Die FODMAP-Diät ist ganz klar und übersichtlich zusammengestellt – Sie erhalten nach einem ausführlichen Anamnesegespräch ihren persönlichen FODMAP-Diätbausatz.